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Santiago Calatrava - Brücken

Referat am 02.07.1998
Seminar: 'Hoch und Weit'(GhK), Prof. Manfred Grohmann, Sommersemester 1998

ALAMILLO BACH DE RODA GENTIL LA DEVESA LUSITANIA WETTSTEIN TRINITY
Zu Santiago Calatrava

Die Geschichte des Stahlbetons ist noch sehr jung: 1905 entstand die erste Brücke aus Stahlbeton, entworfen von Robert Maillart. Ein weiterer Schritt in der Geschichte des Stahlbetons ist Eugène Freysinnets Patent für vorgespannten Beton von 1933. Seitdem sind die technisch möglichen Spannweiten um ein Vielfaches gestiegen. Die Eskalation im Autobahnbau während der Nachkriegszeit führte zur Erfindung von mobiler, frei vorgebauter Schalung für sehr hohe Konstruktionen und der Technik des Auskragens des Straßenbetts von zentralen Kastenbalkenträgern. Seit der Pionierzeit des Stahlbetons sind eine Vielzahl von Neuerungen in der Praxis umgesetzt und erprobt worden, so daß er heute nicht nur im Brückenbau von essentieller Bedeutung ist.

Santiago Calatrava (*1951, Valencia/Spanien) gehört zu einer neuen Generation von Ingenieuren, die die Errungenschaften der Pionierzeit im Stahlbetonbau bereits vorfanden und den wandelbaren Baustoff kreativ für die Lösung neuer Probleme einsetzen können. Calatrava studiert zunächst in Valencia Architektur und Städtebau; nach Abschluß beider Studiengänge wechselt er an die ETH Zürich, wo er nach einem Ingenieurstudium mit dem Thema 'Concerning the Foldability of Spaceframes' anschließend promoviert. Im Laufe seiner preisgekrönten Karriere hat er eine Vielzahl an Bauwerken entworfen und gebaut; viele von ihnen haben einen beträchtlichen Bekanntheitsgrad erreicht.

Santiago Calatrava beherrscht durch sein außergewöhnlich umfassendes planerisches Wissen sowohl architektonische, ingenieurstechnische und stadtplanerische Aufgaben. Dieser umfassende Ansatz in seinen Entwürfen ist von großer Bedeutung für die Ausführung und Wirkung seiner Entwürfe. Die Zuständigkeitsgebiete für Ingenieure und Architekten sind jedoch relativ scharf gegeneinander abgegrenzt, so daß unterschiedliche Vorstellungen von 'guter Problemlösung' in den unterschiedlichen Fachbereichen existieren. Calatrava überschreitet in seiner Arbeit die traditionellen Grenzen, was in einem gespaltenem Echo auf seine Bauten resultiert. Die Werke Calatravas lassen sich nur schwer in existierende Schemata einordnen, daher wird er nicht nur hoch gelobt, sondern ist auch schwerer Kritik ausgesetzt: beispielsweise erscheint Calatravas eher skulpturales Formverständnis und der Aufwand im expressiven Detail (Beleuchtung, Struktur) vielen Ingenieuren unangemessen, da ökonomische Faktoren im Ingenieurwesen die wesentlichsten Bewertungskriterien sind.

Als Erbe von Maillart an der ETHZ gilt das Interesse Calatravas eher den dynamischen, expressiven Formen. Wie Maillart versucht auch er, die Kräfte des Bauwerks über die Form zu fassen, anstatt eine gegebene Form mit einem nachträglich entworfenen Tragwerk zu ergänzen. Calatrava ist fasziniert von der ästhetischen Erfahrung der Natur und von der Statik einer Oberfläche, die sich selbst trägt. In vielen seiner Werke spiegelt sich die Poesie der dynamischen Form wieder. In den Skizzen und Entwürfen Calatravas finden sich oft Anspielungen auf organische Formen und natürliche Tragsysteme, besonders das Skelett und die Bewegungen des Menschen werden immer wieder zitiert. Viele der ausgeführten Bauten weisen Analogien zu organischen Formen auf - unter anderem ein Grund für die Faszination des Betrachters, der intuitiv die Struktur des Bauwerks erfassen kann.


Die Struktur von Calatravas Bauten zeigt meist eine expressive Dynamik; die statischen Kräfte werden an der Struktur sichtbar offengelegt. Die Konstruktion wird betont detailliert und beleuchtet, um die Dynamik zu betonen und ein Gefühl von eingefangener Bewegung hervorzurufen.
Für Calatrava signifikant ist sein zwangloser Umgang mit einem Mix aus Beton und Stahl, der in einer organischen Entwurfstradition der Moderne eingesetzt wird. Der Stahl liegt nicht mehr nur verborgen im Beton, sondern tritt aus ihm hervor oder löst ihn ab, je nach den Erfordernissen der Konstruktion und den aufzunehmenden Druck- und Zugkräften. Ein Betrachter kann in Werken Calatravas oft eine Art Umlenken im letzten Moment feststellen, was den gesamten Aufbau in einem magischen Schwebemoment hält.


Calatrava entwirft Brücken mit sehr unterschiedlichen, oft verblüffenden Formen und Tragsystemen. Im Folgenden werden einzelne Brücken (sowohl Entwürfe als auch ausgeführte Bauten) besprochen:

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