Santiago Calatrava: Bach de Roda / Felipe II - Brücke
Barcelona (Spanien), 1985 - 1987
Daten:
- Eisenbahnüberquerung
- Fußgänger- und Autobrücke
- Länge: 129 m
- Maximale Spannweite: 46m
- Tragsystem: von vier zentralen Bögen abgehängte Brücke
1985 wurde die Bach de Roda - Brücke vom Unitat Operativa de Projectes Urbans, Servei de Projectes d'Element Urbans in Auftrag gegeben. Nach der Bewerbung der Stadt Barcelona als Gastgeber für die Olympischen Spiele 1992 galt der Infrastruktur eine hohe Aufmerksamkeit, so daß u.a. neue Brücken im Stadtgebiet errichtet wurden. Die Bach de Roda - Brücke verbindet zwei bis dahin voneinander getrennte Stadtteile auf verschiedenen Seiten einer wichtigen Eisenbahnlinie.
Da die Art der neuen Brücke von entscheidender Bedeutung sowol für die städtebauliche Situation und Verbindung der Stadtteile als auch für den neu entstehenden Raum der Brücke selbst ist, muß der Entwurf nicht nur in konstruktiver Hinsicht gut durchdacht werden.
Aus diesen Gründen nimmt Calatravas Entwurf besondere Rücksicht auf die Ausführung des Fußgängerüberweges. Die Bach de Roda - Brücke bietet auf beiden Seiten zwischen den Bögen einen Piazza-ähnlichen Platz, der die Brücke zu einem Teil des öffentlichen kulturellen Bereichs werden läßt: Sie hat damit deutlich mehr Funktionen als nur die eines Fußgängerüberweges.
Auf die Form des Geländes antwortet die Bach de Roda - Brücke, indem ihr Verlauf der sanften Steigung des Geländes zu beiden Seiten der Bahnlinie folgt. Da die Brücke die Schienen nicht orthogonal schneidet, ist auch ihre Konstruktion leicht asymmetrisch: Die beiden Bogenpaare sind leicht versetzt angeordnet (siehe Grundriß und Ansicht).
Die innen liegenden Hauptbögen (10 m Bogentiefe, 8 m Höhe über den Schienen) dienen dazu, die Verkehrs- und ständigen Lasten abzutragen, die im Bereich der Fahrbahn anfallen. Das Brückendeck wird durch Stahlstäbe gehalten, die die Lasten in den Stahlbogen weiterleiten. Auf beiden Seiten der Brücke ist von außen ein weiterer Bogen gegen den Hauptbogen gekantet. Dieses weitere Bogenpaar übernimmt die Lasten aus den Fußgängerbereichen: In der geneigten Ebene der Bögen tragen Stahlstäbe die Unterkonstruktion der Brücke und die Verkehrslasten. Beide Bogenpaare sind durch Stahlrippen fest miteinander verbunden, so daß das äußere Bogenpaar zusätzlich die inneren Bögen gegen horizontale Kräfte aussteifen und ein Knicken verhindern.
Auf beiden Seiten der Brücke werden die Lasten aus den Bogenträgern in Stahlbeton - Widerlager eingeleitet. Diese sind als aerodynamisch geformte Pylone ausgeführt und bieten Platz für Treppenaufgänge (siehe Grundriß).
Das Brückendeck besteht aus stählernen Querträgern, die an den Tragstäben hängen. In der Bauphase wurden sie zuerst errichtet, noch ohne das Gewicht aus dem Straßenbett (siehe Abbildungen unten). Auf der so entstandenen Plattform wurden dann mit Hilfe eines weiteres Gerüstes die Stahlbögen errichtet; der Hauptgrund für diese Vorgehensweise war die Minimierung der Störung des Schienenverkehrs.
©and¥