CandyPolis 1999-03-31
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ein sommerhaus für zaha hadid - entwurfskonzept
entwurf im rahmen der twl-I übung im ss 98
gruppenarbeit mit annette brill, juliane plesmann, mehrdad shahbandeh
prof. manfred grohmann, dipl.-ing. horst peseke
Der Entwurf eines Sommerhauses für Zaha Hadid erfordert eine Annäherung und Abstimmung des Gebäudes mit der persönlichen Entwurfsphilosophie der Zaha Hadid. Im Entwurfsansatz stellt sich die grundlegende Frage, wie Entwurfsmethoden mit den Sichtweisen des Dekonstruktivismus zu vereinbaren sind. In ihren Entwürfen benutzt Hadid dekonstruktivistische Perspektiven und nähert sich der Idee des Gebäudes durch Handskizzen an.
Das Gebäude wird als System bzw. Ordnung von Zeichen wahrgenommen, dessen einzelne Elemente ihre Bedeutung durch die vielfältigen Beziehungen zu anderen Elementen des Systems erhalten. Es ergibt sich ein Netzwerk von Bedeutungen, wobei die Elemente der Ordnung auch als Symbole aufgefaßt werden können. Der Zeichencharakter der Elemente und deren Bedeutung in Abhängigkeit von anderen Elementen des Systems wird in der dekonstruktivistischen Sichtweise eingehend untersucht.
Eine Grundvoraussetzung für die Dekonstruktion ist ein bereits bestehender, geordneter Zusammenhang von Zeichen. In der Architektur wird diese Ordnung meist von der bereits vorhandenen (gebauten) Umgebung gebildet. In den Entwürfen Zaha Hadids durchlaufen die Elemente einer Ordnung dekonstruktivistische Metamorphosen, um später ein neues, verzerrtes und entfremdetes Bild der Ursprungsordnung wiederzugeben. Einzelne Elemente dieser Ordnung werden im Verlauf der Metamorphose aus ihrem festgelegten Zusammenhang gerissen und erhalten als selbständige Elemente eine neue Bedeutung innerhalb der vielfältigen Zeichenbeziehungen des Entwurfs.
Es ist jedoch nicht Ziel der Dekonstruktion, die alte Ordnung zu zerstören: Sie übersetzt sie vielmehr in einen neuen Zeichenzusammenhang, in dem die Elemente sowohl eine eigene Bedeutung und Selbständigkeit besitzen als auch den Bezug zum Gesamtsystem der Zeichen nicht verlieren.
Zaha Hadid greift in ihren Entwürfen meist die bestehende städtebauliche Ordnung auf und dekonstruiert sie, bis sie zu einem neuen Entwurf gelangt.
Unser Gebäudeentwurf hat kein vorgegebenes städtebauliches Umfeld, das als Nährboden für die Dekonstruktion geeignet wäre. Aus diesem Grund haben wir eine interne Gebäudeordnung eingeführt, die sich in Form eines Grundrasters (1m-Raster) durch alle Ebenen des Sommerhauses zieht. Im Grundriß wird die rastergebundene Entwurfsmethode deutlich sichtbar, insbesondere an den Stützen der untersten Ebene (siehe Zeichnungen). Die Dekonstruktion entsteht erst in der Vertikalen: die Dach- und Wandflächen durchlaufen eine individuelle Metamorphose, die sich jedoch an wenigen Initiatoren orientiert. Ausschlaggebend für die Transformation ist dabei Zaha Hadids Schlafzimmer auf der obersten Gebäudeebene. Die Bewegung in der Vertikalen wird von dort ausgehend von den anderen Gebäudeteilen aufgenommen, unterliegt dabei jedoch geringen Schwankungen, die die Individualität der einzelnen Elemente garantiert. Die so entstandenen gekippten und verzerrten Flächen widersprechen daher der Ordnung des Grundrasters nicht, da sie direkt auf ihr beruhen und sich aus ihr herleiten.
Ein weiteres Entwurfsziel ist die Betonung der Eigenständigkeit der Raumvolumina und die Beziehungen der Räume untereinander. Im Gebäude sind daher durch viele verglaste Flächen Sichtbeziehungen zwischen den einzelnen Elementen gegeben, die den Zusammenhang der Räume innerhalb des Gebäudes für den Betrachter ersichtlich machen und das Prinzip der Referenz des Elements auf die Gesamtordnung des Systems wahren.
Baubeschreibung: Konstruktion und Material
Da für das Sommerhaus ein sehr umfangreiches Raumprogramm abzudecken war, können in der Konstruktion unserer Ansicht nach keine sehr leichten Baumaterialien eingesetzt werden. Auch Zaha Hadid verwendet in ihren Entwürfen bevorzugt Glas, Stahl und Sichtbeton; wir setzen daher die gleichen Materialien ein und konzentrieren uns eher auf ein leichtes Erscheinungsbild. Die Leichtigkeit wird vor allem durch den flächenhaften Einsatz von Glas erreicht, das die Volumina des Gebäudes gleichzeitig voneinander trennt und die räumlichen Beziehungen für den Betrachter wahrnehmbar macht.
Stahlbetonwände und –decken eignen sich besonders für das Sommerhaus, da die charakteristischen Formen des Entwurfs besondere Flexibilität der Oberflächengestaltung erfordern. In den meisten Ebenen übernehmen daher Stahlbetonwände sowohl den Lastabtrag in vertikaler Richtung als auch die Aussteifung in der Horizontalen. Große Flächen des Gebäudes sind verglast, um die einzelnen Raumvolumina zu betonen und viel Licht in die großen Räume zu bringen. Den Lastabtrag übernehmen dabei Stützen aus Stahlbeton, insbesondere in der untersten Ebene sind aufgrund der Glasflächen Stahlbetonstützen mit einem Durchmesser von 25 cm vorgesehen. Sie wirken im Verbund mit der Stahlbetondecke als Rahmen und werden durch seitliche Wände ausgesteift. Da die Stützen geneigt sind, erfordern sie großzügig dimensionierte Fundamente, um die angreifenden Momente aufzufangen.
Tragende Wände haben eine Breite von 35 cm, alle weiteren Außenwände sind 24 breit. Die Deckenstärke beträgt 20 cm bei einer maximalen Spannweite von 5m, dabei sind die Deckenträger in die Stahlbetondecke integriert, um eine abgehängte Decke zu vermeiden und die Räume in ihrer ursprünglichen Höhe zu erhalten.
Um die großen Glasflächen zu ermöglichen, werden neben den breiten Stahlbetonstützen, die den Lastabtrag übernehmen, schmale Stützen aus Stahl als Fixierung für die Glasplatten benötigt.
Die Lasten werden als Linienlasten von den Wänden oder als Punktlasten von den Stützen aufgenommen und in die Fundamente abgeleitet, die unter den tragenden Wänden als Linienfundamente und unter den Stützen als großzügig dimensionierte Punktfundamente ausgeführt sind.
Literatur:
El Croquis: Zaha Hadid. Madrid: 1992 / 19952

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