Fernwärme

Projekt und Exkursion im WS 1996/97


Fernwärme in Kassel und Dresden


Fernwärme in Kassel und Dresden - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Das Kasseler Fernwärmenetz ist im Vergleich zum Dresdener Fernwärmenetz sehr jung: die erste Fernwärmeleitung Kassels wurde 1983 zwischen dem Heizwerk Fiedlerstraße und den neuen GhK-Gebäuden erbaut. In Dresden wird dagegen schon seit mehr als 100 Jahren Fernwärme genutzt. Aus diesem Grund ist das Dresdener Netz mit 376km Leitungslänge und einer Gesamtanschlußleistung von 1.127MW auch mehr als doppelt so groß wie das Kasseler Netz (140km, 180MW). Die dichte Besiedlung des Dresdener Stadtgebietes ermöglicht ferner eine bessere Anschlußdichte und Wirtschaftlichkeit der Fernwärme. In Kassel wird Fernwärme daher nur in den Innenstadtbereichen genutzt und hat ein wesentlich geringeres Wachstumspotential als in Dresden.
Eine Kasseler Besonderheit ist die Nutzung der Abwärme aus der Müllverbrennungsanlage, wodurch ökologisch Ressourcen geschont werden können.
Da nach der Wende die veralteten Leitungen und Anlagen in Dresden erneuert werden mußten, sind die Fernwärmekosten mit 18 Pf./kWh mehr als doppelt so hoch wie in Kassel (7Pf./kWh). Trotz der hohen Kosten wird jedoch versucht, die Wirtschaftlichkeit der Fernwärme in Dresden zu erhalten, da sie im Gegensatz zu vielen Einzelheizungen ungleich schadstoffärmer, sparsamer im Verbrauch der begrenzten Ressourcen und somit ökologisch sinnvoller ist.

Kasseler Heizkraftwerke

           
           
Fernwärmekraftwerk Kassel

Standort: Kraftwerk Kassel, erbaut von der Preussen-Elektra und im Dezember 1988 in Betrieb genommen. Brennstoffe sind Braun- und Steinkohle, Strom- und Fernwärme- Erzeugung in Kraft- Wärmekopplung, spezieller Dampferzeuger zur Minimierung von Schadstoffemissionen.
Leistung:  36 MWelktr.;
80 MWtherm.

  Kombi- Heizkraftwerk

Standort: Kraftwerk Kassel, Gas- und Dampfturbinenanlage mit Hilfs-Dampferzeuger. Strom- und Fernwärme- Erzeugung in Kraft- Wärme- Kopplung.
Leistung:  20 ;
45 MWtherm.

  MHKW GmbH, Heizkraftwerk Losse

Müllverbrennungsanlage mit Kraft- Wärmekopplung und Hilfsdampf- Erzeuger (gas- und heizölbefeuert).
Leistung:  29 MWelktr.;
30 MWtherm.

   
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Blockheizkraftwerk Dönche

Versorgt die zur Documenta VII errichtete Wohnsiedlung mit Wärme; zusätzlich erzeugter Strom wird ins Netz der Städtischen Werke eingespeist.

  Kraftwerk Thyssen-Henschel

Kohlegefeuertes Wirbelschicht- Kraftwerk zur Deckung des firmeneigenen Strombedarfs.

  Heizwerk Fiedlerstraße

Versorgung der Städtischen Kliniken mit Dampf, Kälte, Notstrom und Wärme, Einspeisung von max. 11MW ins Fernwärmenetz Kassel.

   
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      Fotos aus:
Heizwerk Brückenhof

Nur Wärmeerzeugung, Brennstoffe: Erdgas und Leichtes Heizöl, ursprünglich nur zur Versorgung der Wohnsiedlung Brückenhof, im WS 96/97 in Umbau.
Leistung: 20 MWtherm.

      Städtische Werke Kassel: Fernwärme - nichts liegt näher

Dresdener Heizkraftwerke

           
Heizkraftwerk Nossener Brücke

1995 erbautes Gas- und Dampfturbinen- Heizkraftwerk (Kraft- Wärme- Kopplung) für den wachsenden Fernwärmebedarf der Stadt Dresden.
Leistung:
Heißwasser:
455 MWtherm.
Heißdampf f. Industrie:
25 MWtherm.
260 MWelektr.

  Heizwerk Reick

Heizkraftwerk zur Fernwärme- Erzeugung, hauptsächlich in Spitzenzeiten genutzt. Dauerleistungen können für das Heizwerk Reick nicht angegeben werden, da es lediglich der Abdeckung von Bedarfsspitzen dient.

   
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  Fotos aus:
HKW Dresden-Nord

Gasgefeuertes, 1992/93 erneuertes Kraftwerk zur Strom- u. Fernwärme- Versorgung der Nordstadt. Leistung:
80 MWtherm.
10 MWelektr.

  Dresden Elektrizität und Fernwärme GmbH: Geschäftsbericht 1995

Fernwärme aus Müllverbrennung?

Beim Verbrennen von Müll entsteht Wärme, die lange Zeit als Abwärme in großen Kühltürmen an die Umwelt abgegeben wurde. Die Ausnutzung der bei der Verbrennung entstehenden Energie wurde weitgehend vernachlässigt. Da in Kassel ein Netzanschluß der Müllverbrennungsanlage möglich war, kann die anfallende Wärme heute für Heizungszwecke genutzt werden. In großen Kesseln, die im Verbrennungsraum eingebracht wurden, kann Dampf erzeugt werden, der durch eine Dampfturbine geleitet wird und Strom erzeugt. Zusätzlich wird Heizwasser erzeugt, das ins Fernwärmenetz der Stadt Kassel eingespeist wird.
Unter ökologischen Gesichtspunkten ist die Fernwärmeerzeugung durch Müllverbrennung sinnvoll, da sie die natürlichen Ressourcen an Brennstoffen schont und vorhandene Deponieflächen nicht unbegrenzt Müll aufnehmen können. Ab 2005 muß daher Müll generell thermisch behandelt werden, bevor er in einer Deponie gelagert werden kann. Fernwärme aus Müllverbrennung hat aus diesen Gründen nicht mit Verknappung der Rohstoffreserven zu kämpfen und wird in Zukunft weiterhin an Bedeutung zunehmen.

Ökologische Aspekte der Fernwärmeerzeugung: Viele kleine oder ein großes Kraftwerk?

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, kleine Kraftwerke wären ökologischer, unterliegen große Kraftwerke vergleichsweise strengeren Regelungen. Emissionen werden wesentlich strenger kontrolliert, ebenso der Betrieb und die Planung selbst. Große Kraftwerke müssen also 'sauberer' sein als kleine Kraftwerke!
Bei vielen Einzelfeuerungen ist die Ausnutzung der entstehenden Energie wesentlich geringer als bei zentraler Wärmeerzeugung. Die Brennstoffausnutzung liegt bei einer einzelnen Heizungsanlage bei ca. 40%, in einem Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung dagegen bei 90%. Zur Schonung von Reserven ist aus diesem Grund die Errichtung von großen zentralen Heizkraftwerken sehr sinnvoll. Dies erfordert große, möglichst in Stadtnähe gelegene Kraftwerke, was letztlich zu Problemen der Anwohner führen kann. Wer möchte schon direkt neben einem großen Kraftwerk wohnen? Der große Bau selbst, der Geräuschpegel (und sei er noch so niedrig) und eine große Menge an gefährlichen Starkstromanlagen in der Nähe von Wohnhäusern sind nicht sehr attraktiv.
Die ökologisch sinnvollste Lösung ist also nicht unbedingt die angenehmste! Dresden hat mit der Errichtung des Kraftwerks Nossener Brücke die Lösung des großen zentralen Kraftwerks gewählt, in Kassel wurden eher mittelgroße, etwas denzentraler gelegenen Kraftwerke errichtet. Aufgrund der Diskrepanz zwischen ökonomischen, ökologischen und Anwohnerinteressen muß in jedem Einzelfall eine besondere Lösung gefunden werden.


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