CandyPolis 1999-03-31
..
home
projekte
theorie
art
archiv
candy
guests
Bauernhäuser im Voralpenland
Projektarbeit im ersten Semester von Vanja, Juliane und mir (WS1996/97)

Klimatische Bedingungen im Voralpenland
Das Klima ist kontinental geprägt durch kalte Winter (Temperaturen im Januar ca. -4 °C) und warme Sommer (ca. 16 °C im Juli). Die Nähe des Gebirges verursacht erhöhte Niederschlagsmengen: Im Winter liegt eine relativ hohe Schneedecke (ca. 40cm), im Sommer treten heftige Gewitter mit starken Regenfällen auf. Eine Besonderheit ist der Föhn, ein warmer und trockener Wind, der im Winter eine plötzliche Schneeschmelze verursachen kann.
Geographische Bedingungen
Das Voralpenland ist relativ eben und liegt durchschnittlich ca. 750m hoch. Im ganzen Gebiet herrschen Lehmböden vor, vereinzelt treten auch Lößböden auf. Weite Teile des Voralpenlandes sind von Nadelholzwäldern bedeckt.
Ökonomische, politische und soziale Faktoren
Böden von mittlerer Qualität ermöglichen ein gutes landwirtschaftliches Auskommen. Die erhöhten Niederschläge begünstigen die Weidewirtschaft. Da im Alpenraum das bäuerliche Anwesen nicht durch Realteilung zersplittert wurde, blieben die Güter der Einzelbauern relativ groß und es entstanden nur wenig größere Siedlungen.
Schon früh- bereits im 16. Jhdt.- wurde das Bauwesen in Bayern von staatlicher Seite beeinflußt. Um der Material- und Platzverschwendung vorzubeugen, wurde mittels Verordnungen der Bau von Einhäusern gefördert; ein gemauertes Erdgeschoß wurde empfohlen, um eine längere Lebensdauer der Häuser zu erreichen.
Baustoffe
Große Nadelwaldbestände lieferten als Hauptbaustoff Holz, das den Blockbau begünstigte. Auch Dächer wurden aus hölzernen Legeschindeln (Landern) gefertigt, die nur mit Steinen befestigt wurden. Zusätzlich wurden Lehm, Stroh und Steine für den Hausbau verwendet.
Auswirkungen der äußeren Bedingungen auf die Form des bayerischen Bauernhauses
- Einhaus
Die Unterbringung aller Funktionen unter einem Dach (Scheune, Wohnhaus, Stall)
- Lage
Ausrichtung mit der Wohnseite nach Süden oder Osten, Schutz der Rückwand des Stalls (Wetterseite) durch eine Bretterwand und davor gepflanzte Bäume
- Material und Nässeschutz
Die Verwendung von Holz im Hausbau erfordert den Schutz des Materials vor ständiger Feuchtigkeit. Dies wird erreicht durch das weit vorspringende Dach und das gemauerte Erdgeschoß.
- Material und Dachform
Das Dach wird mit Holzschindeln gedeckt, die nur durch Legesteine beschwert sind. Dies erfordert eine flache Neigung des Daches. Im Winter wird durch die Schneeschicht auf dem Dach eine gute Wärmedämmung erreicht.
Nutzung der Innenräume
Die Küche (Rauchstube)
In alten Bauernhäusern war der Küchenherd meist die einzige Feuerstelle im ganzen Haus. Der gemauerte Herd hatte keinen direkten Rauchabzug. Über der Feuerstelle befand sich wegen der Feuergefahr ein gemauerter Funkenfang (Feuerhut); der Rauch erfüllte die ganze Küche und zog über eine vom Herd aus regulierbare Öffnung im Dach ab. Im Gegensatz zu den niedrigen Räumen im übrigen Haus (2,20m) war die Küche sehr hoch, um den Rauch gut abzuleiten. Er diente zum Räuchern von Fleisch, trocknete und konservierte sowohl die Bausubstanz als auch die im Dachraum gelagerte Ernte. Auch Schädlinge konnten so bekämpft werden.
Die Stube
Die Stube schloß an die Küche an und diente als Aufenthalts- und Gemeinschaftszimmer. Sie war im Gegensatz zur Küche relativ gut durch Fenster beleuchtet und meist holzvertäfelt, um eine gute Wärmedämmung zu gewährleisten. Kernstück der Stube war der gemauerte Ofen, der von der Küche aus beheizt wurde (Hinterlader), um die Stube selbst rauchfrei zu halten. Da die anderen Räume nicht beheizt waren, konnte durch Klappen in der Decke Warmluft in die Schlafkammern im ersten Stock.
Fensterentwicklung
Anfangs diente die Rauchluke im Dach auch als einzige Lichtluke. Da aber mehr Licht im Haus benötigt wurde- unabhängig vom Rauchabzug- entstanden die ersten Lichtöffnungen in den Wänden, einfache Einschnitte in die massiven Blockwände.
- Es entstanden kleine quadratische Luken, die mit einem Schieber verschließbar waren. Um die Tragfähigkeit der Hölzer nicht zu schwächen, hackte man zwei übereinanderliegende Hölzer beide nur bis zur Hälfte ihres Höhenmaßes aus. Glas wurde in den Bauernhäusern des Voralpenlandes nicht vor dem 18. Jhdt. verwendet.
- Für die ersten verglasten Fenster wurden Butzenscheiben verwendet, die durch Windeisen versteift waren.
|